Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Klimawandel„Für die Gesundheitsgefahren des Klimawandels sensibilisieren“

Porträt von Dr. Monika Kücking, Leiterin der Abteilung Gesundheit beim GKV-Spitzenverband

Basis der Beratungen beim Präventionsforum 2022 war das in einem partizipativen Prozess entwickelte Papier zur Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung in Lebenswelten im Kontext klimatischer Veränderungen (kurz: NPK-Papier Klima und Gesundheit). Dr. Monika Kücking, GKV-Spitzenverband, erläutert Ziele und Inhalte des Papiers.

Das Präventionsforum, das die BVPG im Auftrag der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) durchführt, hatte 2022 „Klimawandel und Gesundheit – Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten“ als Schwerpunktthema.

Die Nationale Präventionskonferenz verabschiedet Handlungsgrundlagen zur gesundheitsorientierten Bewältigung des Klimawandels

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt der Klimawandel die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit dar. Er bringt neue Gesundheitsprobleme mit sich, verstärkt bestehende und hat enorme Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Hierauf sollte reagiert werden. Klimawandelbedingte Gesundheitsgefahren können durch klimaschützende und -anpassende Maßnahmen vermindert oder verhindert werden. Dies kann angesichts der enormen Herausforderung nur durch einen gesamtgesellschaftlichen und politikfeldübergreifenden Ansatz sowie ein breites bürgerschaftliches Engagement gelingen. Auch Gesundheitsförderung und Prävention können hier einen Beitrag leisten. Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sind in allen Lebenswelten wie Kommunen, Schulen und Betrieben als wichtige Aufgaben zu verankern und umzusetzen. Dabei müssen Mensch, Natur und Umwelt im Sinne eines „One Health“-Ansatzes systemisch betrachtet werden.

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) möchte dazu beitragen, den mit dem Klimawandel einhergehenden gesundheitlichen Risiken frühzeitig durch lebensweltbezogene Aktivitäten zur Prävention, Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung zu begegnen. Dabei soll die beste verfügbare Evidenz zu wirksamen sowie zweckmäßigen Maßnahmen und Vorgehensweisen genutzt werden.

Daher haben wir, die stimmberechtigten Mitglieder der NPK, uns 2022 unter Einbezug der beratenden Mitglieder sowie weiterer Organisationen und Verbände intensiv dem Thema Klimawandel und Gesundheit gewidmet. Gemeinsam haben wir in einem partizipativen Prozess Handlungsmöglichkeiten, -notwendigkeiten und insbesondere Unterstützungsbeiträge aufgabenbezogen zusammengetragen und transparent gemacht. Das entsprechende Papier mit dem Titel „Prävention, Gesundheits-, Sicherheits- und Teilhabeförderung in Lebenswelten im Kontext klimatischer Veränderungen“ (kurz: NPK-Papier Gesundheit und Klima) wurde auf dem Präventionsforum 2022 diskutiert, auf Basis der Erkenntnisse des Forums finalisiert und im November 2022 nunmehr von der NPK beschlossen.

Ziel des NPK-Papiers Gesundheit und Klima ist es zum einen, in Deutschland für Gesundheitsförderung und Prävention Verantwortliche und Zuständige für die Gesundheitsgefahren des Klimawandels zu sensibilisieren. Zum anderen soll es zu einer Intensivierung präventiver Anstrengungen sowie zu einer verbesserten Koordination beitragen. Aus Sicht der NPK ist ein abgestimmtes Vorgehen unerlässlich, um die gesellschaftliche Herausforderung zu meistern, Gesundheitsgefahren durch den Klimawandel vorzubeugen und klima- sowie gesundheitsschützend zu agieren.

Eine erfolgreiche Bewältigung erfordert jedoch ein Zusammenwirken, das über die in Deutschland für Gesundheitsförderung und Prävention verantwortlichen und zuständigen Akteure hinausgeht. Aufgrund der Größe und Komplexität dieser Aufgabe kommt es darauf an, dass sich alle Träger öffentlicher Aufgaben zusammen mit Wirtschaft, Medien, Zivilgesellschaft engagieren. Besonders wichtig ist dabei ein hohes Maß an Transparenz und kontinuierlicher Abstimmung, um koordiniert und zielgerichtet zu handeln sowie Synergien auszuschöpfen. Einen Beitrag dazu soll das Papier der NPK leisten. Es skizziert Unterstützungsbeiträge, die die Mitglieder der NPK und die von ihnen repräsentierten Organisationen zur Bewältigung des Klimawandels und damit verbundener Gesundheitsgefahren beisteuern können.

Mit dem NPK-Papier Gesundheit und Klima möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Leistungen der Gesundheitsförderung und Prävention nicht nur die individuelle Gesundheit verbessern, sondern auch zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen beitragen. Dies kann aus unserer Sicht gelingen, wenn vorhandene Strukturen, Prozesse, Projekte und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention bei der Planung und Umsetzung klimaschützender bzw. anpassender Aktivitäten berücksichtigt und Anknüpfungspunkte sowie Synergien genutzt werden.

Zum Beispiel bieten kommunale bzw. stadtteilbezogene Netzwerke wie das Gesunde Städte Netzwerk oder Gesundheitsregionen die Möglichkeit, Themen bzw. Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung praxisnah zu diskutieren, partizipativ zu entwickeln, aufeinander abzustimmen und nachhaltig zu verankern. Gleichzeitig sollten klimaschützende und -anpassende Elemente in bestehende verhältnis- und verhaltenspräventive, gesundheits-, sicherheits- und teilhabeförderliche Strukturen, Netzwerke, Prozesse, Projekte und Maßnahmen integriert und entsprechender Austausch gefördert werden. So können beispielsweise Maßnahmen zu einem gesundheitsfördernden Ernährungsverhalten zugleich die Klima- und die CO2-Bilanz sowie den Wasser- und Flächenverbrauch verbessern helfen.

Dabei kann die Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit den Erfolg wesentlich unterstützen. Ziel muss es sein, dass Aktivitäten partizipativ gestaltet werden, sodass sie für alle Menschen auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Bestehende Barrieren müssen abgebaut bzw. reduziert werden, um gesunde Umwelt- und Lebensverhältnisse für alle Menschen zu schaffen. Auch mit dem Klimaschutz und der Klimaanpassung verbundene finanzielle Belastungen müssen fair verteilt und sozial ausgewogen gestaltet werden.

Das NPK-Papier Gesundheit und Klima, das im November 2022 von der NPK verabschiedet worden ist, soll fortan zu einem verstärkten Handeln führen. Wir freuen uns, wenn viele Akteure die Verbreitung des Papiers unterstützen und sich am weiteren Prozess auch mit eigenen Beiträgen beteiligen. Sie sind herzlich eingeladen, den Link zum NPK-Papier weiterzugeben und gemeinsam mit uns auf die Umsetzung der Empfehlungen hinzuwirken. Künftig sollen auch die Bundesrahmenempfehlungen nach § 20d Abs. 3 SGB V Aussagen zur Verhinderung und Minderung klimawandelbedingter Gesundheitsgefahren im Kontext lebensweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention treffen.

Auch wenn das Thema Klimawandel im Gesundheitswesen insgesamt noch relativ neu ist, zeigte uns unter anderem das Präventionsforum 2022, dass sich neben der NPK bereits viele Akteure im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention auf den Weg gemacht haben. Neben dem gemeinsamen Handeln müssen gleichermaßen eigenverantwortlich notwendige Schritte im jeweiligen Einflussbereich eingeleitet und verfolgt werden.

Der GKV-Spitzenverband als stimmberechtigtes Mitglied der NPK unterstützt die Verhütung der mit dem Klimawandel einhergehenden Gesundheitsgefahren im Bereich der Prävention zum Beispiel, indem er den Leitfaden Prävention, der als Grundlage für die Präventionsangebote der Krankenkassen dient, weiterentwickelte. Krankenkassen erhalten mit der Neufassung des Leitfadens erweiterte Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung der Versicherten, der kommunal Verantwortlichen sowie der Träger von Lebenswelten und Betrieben zu gesundheitlich relevanten Aspekten des Klimaschutzes und der Klimaanpassung.


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Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt Klimawandel: Interview mit Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Instituts für Urban Public Health am Universitätsklinikum Essen und Keynote-Speakerin des Präventionsforums 2022: „Klimawandel und Gesundheit können zum positiven Narrativ werden“.

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Dr. rer. pol. Monika Kücking | Seit 2008 Leiterin der Abteilung Gesundheit beim GKV-Spitzenverband. Zuvor Abteilungsleiterin beim Verband der Angestellten-Krankenkassen und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen.

Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) wurde mit dem am 25.07.2015 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention eingeführt. Ihre Aufgabe ist es, eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und fortzuschreiben (§§ 20d und 20e SGB V). Träger der NPK sind die gesetzliche Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung sowie die soziale Pflegeversicherung, vertreten durch ihre Spitzenorganisationen: GKV-Spitzenverband, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie Deutsche Rentenversicherung Bund. Sie bilden die NPK als Arbeitsgemeinschaft nach § 94 Absatz 1a SGB X.

Der GKV-Spitzenverband ist der Verband aller gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Als solcher gestaltet er den Rahmen für die gesundheitliche Versorgung in Deutschland; er vertritt die Kranken- und Pflegekassen und damit auch die Interessen der 73 Millionen Versicherten und Beitragszahlenden auf Bundesebene gegenüber der Politik und gegenüber Leistungserbringenden wie der Ärzte- und Apothekerschaft oder Krankenhäusern. Der GKV-Spitzenverband übernimmt alle nicht wettbewerblichen Aufgaben in der Kranken- und Pflegeversicherung auf Bundesebene.

Autor: BVPG e.V.

Die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) mit Geschäftsstelle in Bonn wurde 1954 gegründet und ist ein gemeinnütziger, politisch und konfessionell unabhängiger Dacherband. 136 Organisationen sind zur Zeit Mitglieder der BVPG, darunter vor allem Bundesverbände des Gesundheitswesens (wie z.B. die Bundesärztekammer, die Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger sowie Verbände der Heil- und Hilfsberufe), aber auch Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Bildungseinrichtungen und Akademien, die einen Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Prävention und Gesundheitsförderung“ aufweisen.

Ein Gedanke zu „Prävention und Gesundheitsförderung – Schwerpunkt: Klimawandel„Für die Gesundheitsgefahren des Klimawandels sensibilisieren““

  1. Alles ziemlich richtig, aber letztlich unzureichend. Zu wenig angesprochen ist:
    1. Die Bedeutung psychischer Erkrankungen (vgl. https://timms.uni-tuebingen.de/tp/UT_20220705_001_rvklima_0001)
    2. Die Interaktion der Systeme (siehe earthfor all) und ihre psychosozialen Folgen
    3. Der Schwerpunkt liegt bei Mitigation (sekundäre Prävention) und nicht bei primärer
    4. Die Soziale Ungleichheit ist einmal angesprochen (ebenso im neuen NPK-Papier), sie ist aber nicht nur eine Folgevariable, sondern Teil der klimarelevanten Systeme (Energie, Finanzen, Soziales, etc.). Man kann darüberhinausgehen und den negativen sozialen Kippunkt darin sehen, dass die wachsende Ungleichheit vielleicht sogar der entscheidende Ausdruck dieses bedrohten Systems sind (Stichworte: Grenzen des Wachstums, erneuerbare Energie und CO2 Ausgleichzahlungen bei weiter wachsenden Wirtschaftssystemen, die nicht nur direkt klimarelevant sind, usw.)

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